Porsche

Lexikon

Der Weg des 911er

15 Nov , 2015  

Er besuchte nie eine Technische Hochschule und machte kein Ingenieursstudium. Dennoch war Ferdinand Porsche ein technisches Genie. Wenn jetzt das Wort “Porsche” fällt, dann denken die meisten Leser an den rassigen Sportwagen aus Stuttgart. Der Traum vieler Jungen und Spielzeug vieler Herren mit der berühmten Krise im mittleren Alter. Echte Porsche-Fans bringen die Marke aber auch mit dem VW Käfer in Verbindung. Spätestens wenn man tiefer in der Geschichte der Stuttgarter Sportwagenschmiede gräbt, dann kommt auch der letzte hardgesottene Fan nicht mehr aus dem Staunen!

Die Porsche-Gene finden wir in einem Traktor für den Kaffeeanbau, in der ersten Chronographen-Uhr der Welt, in Harley-Davidson Motorräder, in Linde-Gabelstapler, im ersten digitalen Cockpit der Welt (Airbus A300) und sogar in einem Grill. Du liest richtig. Ein Grill um Würstchen und Steaks zu braten! Diese und viele andere Dinge wurden von Porsche entwickelt, gezeichnet und entworfen. Porsche war eben schon immer mehr wie nur ein Automobilbauer. Ferdinand Porsche war eher ein Tüftler und Visionär als ein Sportwagenbauer. Er war der „Steve Jobs“ des Automobilismus.

Wir dürften nicht verwundert sein, dass der junge Ferdinand Porsche am 1. Dezember 1930 ein Konstruktionsbüro in Stuttgart gründete. Der Gedanke war nicht unbedingt nur Automobile zu bauen. Sein Tüftlertrieb und sein Team sollten die Geschicke der jungen Firma leiten. Der erste Job von Porsche war bei Ludwig Lohner. Ein Unternehmen aus Wien, dass Kutschen baute und, unter anderem, die königliche Familie belieferte. Lebende Pferde waren dem jungen Tüftler zu wenig. Er entwickelte das erste Hybridauto der Welt und dieses war gleichzeitig auch noch ein Fahrzeug mit Allradantrieb. Er hatte schon 1896 ein Patent für ein Radnabenelektromotor angemeldet. Danach arbeitete Ferdinand Porsche für die Daimler-Motoren-Gesellschaft und auch für die Steyr-Werke in Österreich.

Dort fing das junge Team an für andere Firmen, im Auftrag, sowohl Kleinwagen als auch Motoren zu entwickeln. Man fing mit Prototyp Nummer 7 an (wer will schon dem ersten Kunden sagen, dass er der erste Kunde ist?). Das war der Porsche Typ 12 für Zündapp. Es folgten weitere Entwicklungen für NSU und die berühmten Rennwagen für die Auto-Union. Wir reden hier von so diversen Entwicklungen wie luftgekühlte Boxermotoren (der Anfang des „Käfers“) bis hin zu Federungen und auch 16-Zylinder „Monstermotoren“ für die damals, heißbegehrten Rennwägen.

Das Porsche-Team lebte in turbulenten Zeiten und mit der Zeit sollte das Konstruktionsbüro auch Panzer, Kübelwagen, Schwimmwagen für das deutsche Heer bauen. Kein Projekt war zu abwegig und unmöglich. Einige dieser Ideen haben niemals das Tageslicht gesehen. Dazu zählt der Panzer Porsche-Tiger, der nur als Prototyp hergestellt wurde und dem Heereswaffenamt zu teuer und kompliziert wurde. Die Firma war seit 1934 mit der Herstellung des Volkswagens beschäftigt und verzeichnete kräftigen Aufschwung. Im Jahre 1937 gab es bereits ein Entwicklungswerk in Zuffenhausen, dass auf einem Grundstück mit über 30.000 Quadratmeter, die gesamte Entwicklung abwickeln konnte.

Nach dem Krieg ging es weiter, aber die Marken Volkswagen und Porsche gingen getrennte Wege. Zunächst vereinbarte man Lizenzverträge und arbeitete in Kooperation miteinander, aber ab 1952 legten die neuen Abkommen den Grundstein für eine getrennte Firmengeschichte. Daraus entwickelte sich das berühmte Sportwagenwerk in Zuffenhausen. In der Zwischenzeit verstarb Ferdinand Porsche im Jahre 1951 und sein Sohn Ferry Porsche übernham die Geschicke der Marke. Die Patente und Entwicklungen der ersten Jahre lieferten die Basis für die Entwicklung des berühmten Porsche 356 und des späteren „Neunelfers“. Dieser wurde in seiner ersten Ausführung auf der IAA 1963 vorgestellt. Ein Jahr später wurde diese neue Sensation auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Immer noch als Porsche 901. Es fehlte die „1“ in der Mitte der Bezeichnung – alles andere war schon da! Der luftgekühlte Boxermotor im Heck, die charakteristische Karosserieform (von Ferdinand Porsche mit Erwin Komenda zusammen entworfen). Die Herren von Peugeot sahen die Typbezeichnung mit der Null in der Mitte und erinnerten Porsche daran, dass diese seit 1929 per Patent für Peugeot geschützt wurde. Praktisch und erfinderisch wie Porsche schon immer war, wurde einfach eine Eins in die Mitte gesetzt. Damit war der letzte Federstrich gemacht um eine Legende und einen regelrechten Mythos in die Welt zu setzen.

In der Zwischenzeit morphte der „Elfer“ zum Carrera, Speedster, Targa, Turbo, Carrera GT. Es gab einen 959-er, den 918 und zuletzt Modelle wie den Panamera, Macan und den Cayenne. Der Panamera ist übrigens nicht der erste Viertürer von Porsche. Im Jahre 1952 entwickelte die Marke den Studebaker Typ 542! Auch hier hatte Porsche „seine Finger im Design-Spiel“. Es ist fast unmöglich den Entwicklergeist und den enormen Beitrag von Porsche in so einem kurzen Artikel wieder zu geben. Wir wollen unseren Lesern aber zeigen, dass Porsche mehr ist als der „911-er“, mehr ist als eine Sportwagenmarke und viel mehr ist als der „VW Käfer“. Diese Firma hat maßgeblich zum Ingenieurswesen im Allgemeinen beigetragen und spezifisch zum Automobilismus. Die ersten Airbags für Beifahrer wurden in einem Porsche 944 ausgeliefert. Geschwindigkeitsrekorde, Patente in der Bremstechnik, und noch so vieles mehr. Ironischerweise begann Ferdinand Porsche im Jahre 1896 – als Erster – dort, wo heutige und zukünftige Automobilbauer erst hin wollen: mit der Entwicklung eines Elektromobils!

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